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Geschichte

Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg kann auf eine lange, erfolgreiche Geschichte zurückblicken, in deren Verlauf er unterschiedliche Namen trug („St. Michaeliskirchenchor“, „Jugendchor St. Michaelis“, „St. Michaelis-Chor Hamburg“, „Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg“). Diese Geschichte reicht bis in die Zeit Carl Philipp Emanuel Bachs zurück und ist bis 1998 eng mit der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis verbunden. Seit 1998 ist der Chor als freier Konzertchor tätig.

1. St. Michaeliskirchenchor

Schon seit der Zeit C.Ph.E.Bachs haben – auch als Folge der Qualitätseinbuße des städtischen Knabenchores – zumeist ad hoc zusammengestellte Chöre von erwachsenen Sängern bei Aufführungen in der Hauptkirche St. Michaelis mitgewirkt. Im 19. Jahrhundert bildeten sich dann städtische Chöre – wie z.B. der Cäcilienverein und die Hamburger Singakademie -, die diese Aufgabe übernahmen. Einen eigenen Kirchenchor gab es an St. Michaelis erst seit dem Jahr 1912. Alfred Sittard, einer der glanzvollsten deutschen Kirchenmusiker zwischen den beiden Weltkriegen, gründete diesen Chor zeitgleich zur Fertigstellung der (1906 durch einen Brand zerstörten) Kirche.

Der Chor trug den Namen „St. Michaeliskirchenchor“ und wurde als eingetragener Verein konstituiert. Diese Konstruktion als e.V. – 1954 erneuert - verdankte sich unterschiedlichen Motiven: das pragmatische Motiv nahm die Notwendigkeit auf, einen Veranstalter für die nun zunehmende Zahl der Kirchenkonzerte zu haben; das gesellschaftliche Motiv wollte über den Kreis der kirchlich Engagierten hinaus weitere Personen als Verantwortungsträger gewinnen. Diese Konstruktion als e.V. bewährte sich über Jahrzehnte. Sie wurde 1998 durch den Kirchenvorstand in einer streitigen Situation beseitigt.

Alfred Sittard fühlte sich, wie die Konzertprogramme belegen, stark den Werken Bachs verpflichtet. Diese Präferenz ließ aber Raum für andere, auch zeitgenössische Kompositionen, z.B. die Große Totenmesse op.5 von Hector Berlioz, Verdis Messa da Requiem, Liszt´s Graner Messe, die Hymne op.34 Nr.2 von Richard Strauss, Honeggers König David und Gustav Mahlers 8.Symphonie. 1933 ging Sittard nach Berlin, wo er die Leitung des Berliner Staats- und Domchors übernahm. Hamburg hatte einen großen (Kirchen-)Musiker verloren.

Sein Nachfolger Friedrich Brinkmann, der 1935 in sein Amt kam, setzte gänzlich andere Akzente. „Die großbesetzten Werke, wie sie Sittard geschätzt hatte, etwa Bruckner, Berlioz, Liszt, Dvorak und Verdi, verschwanden ganz aus dem Programm, und selbst die Passionen Bachs oder Händels „Messias“ wurden nur noch selten aufgeführt.“ (E. Kleßmann). Brinkmann favorisierte die a cappella-Musik, und hier wiederum die Werke von Heinrich Schütz und Johannes Brahms; aber auch zeitgenössische Komponisten waren zu hören, z.B. Kurt Thomas, den Brinkmann außerordentlich schätzte, und Wolfgang Fortner.

2. Der Jugendchor St. Michaelis

Nach der Zerstörung der Hauptkirche St. Michaelis im Jahr 1945 war bis zu ihrer Wiederherstellung an Oratorienaufführungen in der Kirche nicht zu denken. Brinkmann wich gelegentlich mit seinem Chor, der nun „Jugendchor St.Michaelis“ hieß, in die Musikhalle (heute Laeiszhalle) aus. Neben den Konzerten und dem Singen in Gottesdiensten war dem Chor in den ersten Jahren nach dem Krieg noch eine andere Aufgabe zugefallen: Der Nordwestdeutsche Rundfunk (NWDR) wollte vornehmlich für seine Morgenandachten geistliche Musik haben, die der Chor in großer Zahl und hoher Qualität ablieferte.

Als die Hauptkirche St. Michaelis 1952 wieder eingeweiht wurde, blieben Brinkmann noch vier Jahre, in denen er wirken konnte. In dieser Zeit wurden u.a. Bachs Weihnachtsoratorium und die Matthäus-Passion aufgeführt. 1957 war Brinkmanns Gesundheitszustand so schlecht geworden, dass er nicht mehr dirigieren konnte und aus dem Dienst ausscheiden musste.

Sein Nachfolger wurde im Jahr 1958 Friedrich Bihn, der bis dahin Organist an der Hamburger Hauptkirche St. Jacobi mit ihrer Arp-Schnitger-Orgel gewesen war. Der Übergang verlief nicht glatt: Viele Chormitglieder waren mit der Wahl nicht einverstanden, weil Bihn zwar ein anerkannt guter Organist war, aber wenig Erfahrungen mit Chören hatte. Sie verließen den Chor. Im Laufe der Zeit stabilisierte sich die Situation aber. Bihn begründete eine Tradition, die sich bis in die Gegenwart gehalten hat: Die jährliche Aufführung der Matthäus-Passion und des Weihnachtsoratoriums von Bach, zum Teil in mehreren Konzerten. Ähnlich wie bei seinem Vorgänger Brinkmann gab es bei ihm keine großbesetzten Werke: Die Aufführung von Bruckners Tedeum muss als große Ausnahme gelten.

3. St. Michaelis-Chor Hamburg

Eine bedeutende Zäsur in der Entwicklung des Chores entsteht, als Günter Jena 1974 die Leitung des Chores übernimmt, der nun nicht mehr „Jugendchor St. Michaelis“ heißt, sondern „St. Michaelis-Chor Hamburg“. Der Chor gewinnt rasch an Ansehen und künstlerischer Bedeutung. Die Aufführungen in St. Michaelis, insbesondere die der Werke J.S. Bachs, sind häufig Ereignisse von Rang, die nachhaltig in das Hamburger Kulturleben hineinwirken – und weit darüber hinaus. Die Namen der Sänger und Sprecher, mit denen der Chor zusammenarbeitet, stehen für die herausragende Qualität der Konzerte und der von Günter Jena eingeführten Reihe „Musik und Dichtung“: z.B. Theo Adam, José Carreras, Ileana Cotrubas, Franz Grundheber, René Kollo, Christa Ludwig, Kurt Moll, Margaret Price und Peter Schreier sowie Elisabeth Flickenschildt, Heinz Rühmann und Gert Westphal. Insbesondere die Aufführungen der Matthäus-Passion – sowohl in der konzertanten Form als auch in der Ballett-Fassung mit der Choreographie John Neumeiers – werden für viele Zuhörer zu einem tief beeindruckenden Erlebnis. Als einer der Höhepunkte von Jenas Wirken kann sicher das Jahr 1985 gelten: Zusammen mit dem Chorvorstand konzipierte und organisierte er in diesem besonderen Jahr mit Bachs, Händels und Domenico Scarlattis 300.Geburtstag und dem 400. Geburtstag von Heinrich Schütz über 100 Konzerte und Vortragsveranstaltungen. Höhepunkt waren auch die 41 „Musik und Dichtung“-Veranstaltungen mit Heinz Rühmann, die von 1977 bis 1993 jeweils in der Adventszeit in der Hauptkirche St. Michaelis stattfanden.

Angesichts der Attraktivität von St. Michaelis als Aufführungsort ist der Chor eher selten auf Konzertreisen gegangen. Bereits 1974 trat er in Paris im Salle de Pleyel und im Theatre de la Ville mit Bachs Matthäus-Passion auf. Mit demselben Werk gastierte der St. Michaelis-Chor im Jahr 1987 anlässlich der 750-Jahr-Feiern von Berlin in der Deutschen Staatsoper Unter den Linden mit dem Hamburg-Ballett John Neumeiers. Zur Jahreswende 1995/96 war der Chor anlässlich der Feiern zur 3000. Wiederkehr der Stadtgründung in Jerusalem (mit Aufführungen des Weihnachts-Oratoriums unter der Leitung von Peter Schreier und des Verdi-Requiems unter der Leitung von David Shallon).

Als Günter Jena 1998 aus dem Amt schied, ging die wohl glanzvollste musikalische Epoche, die Hamburgs Hauptkirche bis heute erlebt hat, zu Ende.

Bei der Bestimmung des Nachfolgers kommt es zu einem heftigen Konflikt, der deutschlandweit Aufsehen erregt. Einerseits ging es um die Eignung des vom Kirchenvorstand favorisierten Kandidaten für eine der (potentiell) wirkungsmächtigsten und anspruchsvollsten Stellen, die es für einen Kirchenmusiker in Deutschland gibt. War dieser Konflikt um die Eignung des Kandidaten schon heftig genug, wurde er andererseits noch von einem weiteren Konflikt überlagert: Der Kirchenvorstand wollte offensichtlich keinen eingetragenen Verein mehr als Rechtsträger für den Chor mitsamt den daraus sich ergebenden Beteiligungsrechten dulden. Er setzte sich schließlich als Hausherr von St. Michaelis durch – mit der Folge, dass der Chor mit fast allen Mitgliedern den „Michel“ – nach Meinung vieler Hamburger der eindrucksvollste „Konzertsaal“ der Hansestadt - verließ.

4. Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg

So ungewiss die Zukunft in dieser Phase war, konnte sich der Chor auf das hohe Engagement seiner Mitglieder und die in langer Zeit erworbene Kompetenz seines Chorvorstandes verlassen, der nun die Geschicke des Chores ohne einen festen Chorleiter zu steuern hatte. In dieser Situation wirkte es sich sehr günstig aus, dass es gelang, den Leipziger Gewandhausorganisten Michael Schönheit über mehrere Jahre hinweg als Dirigenten der Konzerte zu gewinnen. Schönheit beeindruckte den Chor, der sich nach dem Weggang von St. Michaelis „Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg“ nannte, durch eine ausgesprochen anspruchsvolle Probenarbeit, die die sängerische Qualität nachhaltig förderte. Zudem gewann er den Chordirektor des Leipziger Gewandhauses, Ekkehard Schreiber, mit dem Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor die Programme vorzustudieren. Resultat waren eindrucksvolle Aufführungen – auch bei Gastspielen, wie z.B. den Festspielen Mecklenburg-Vorpommern und den Merseburger Orgeltagen.

Auf Michael Schönheit folgte Hansjörg Albrecht, der Künstlerische Leiter des Münchener Bach-Chores & Bach-Orchesters. Mit dem Weihnachtskonzert im Dezember 2006 begann er seine Tätigkeit als ständiger Gastdirigent des Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chores. Albrecht sorgte durch seine künstlerische Kompetenz und seine hocheffiziente Probenarbeit dafür, dass sich der Chor sowohl in seiner Klangkultur als auch in seiner Flexibilität weiter entwickelte. Albrecht verkörpert ein Konzept, das deutlich an das Konzept Alfred Sittards erinnert: Begeisterung für die Werke J.S. Bachs (und anderer Barock-Komponisten) bei gleichzeitiger Öffnung für die großsymphonischen Werke bis in die Moderne hinein. Zukunftsweisend wurden auch seine originellen Programmideen (auch im Bereich der a cappella-Musik), in denen – zum Teil selten zu hörende - Werke beziehungsreich aufeinander abgestimmt wurden.

Der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor wird als Hamburgs renommierter Konzertchor regelmäßig zu Konzerten anderer Veranstalter eingeladen. So kam es zu Kooperationen mit dem Philharmonischen Staatsorchester Hamburg (Leitung: Gerd Albrecht und Ingo Metzmacher), dem Hamburg-Ballett John Neumeiers (bei Aufführungen von „Dona nobis pacem“ in der Hamburgischen Staatsoper unter der musikalischen Leitung von Günter Jena), den Hamburger Symphonikern (Leitung: Andrey Boreyko und Jeffrey Tate u.a.) und dem Philharmonischen Orchester der Hansestadt Lübeck (Leitung: Roman Brogli-Sacher).

Neuland betrat der Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor, als er bei Opernaufführungen in der Hamburger Color Line Arena (heute: O2-World) auftrat. Insgesamt jeweils 25.000 Besucher hörten „Aida“, „Carmen“ und „Nabucco“ unter der Leitung von Ralf Weikert. Die Einstudierung des Chors übernahm der ehemalige Chordirektor der Hamburgischen Staatsoper, Jürgen Schulz. Er bereitet den Chor auch auf die jährlich zur Jahreswende stattfindenden Aufführungen der 9. Symphonie von Beethoven vor.

5. Der Verein „Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg e.V.“

Der Chor ist in der Rechtsform eines eingetragenen Vereins verfasst. Die Verantwortung für die Steuerung des Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chors liegt bei dessen Chorvorstand. Dieser wird für jeweils vier Jahre durch die Mitgliederversammlung gewählt. Er besteht aus drei Personen und kann durch Kooptionen erweitert werden. Der Chor betreibt sein Management von jeher aus eigener, ehrenamtlicher Kraft. Er wird finanziell und ideell unterstützt durch die Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Gesellschaft zu Hamburg e.V.

Literatur:
Eckart Kleßmann, Der St. Michaelis-Chor
in: 50 Jahre St. Michaelis-Chor (1945 - 1995)
(zu beziehen über den Carl-Philipp-Emanuel-Bach-Chor Hamburg)

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